Monthly Archives: Februar 2018

  • Rom in Schnee-heller Aufregung

    Der etwas andere Vatikan - verschneit in weisser Pracht.

    Was so ein bisschen Schnee bewirken kann, denkt jeder gestandene und Schnee erfahrene Mitteleuropäer? Und die italienischen Journalisten? Sie schreiben am day after in durchschnittlich 5 Zeitungsseiten über apokalyptische Verhältnisse oder auch eher poetisch über die Operette Schnee in Rom.

    Tatsächlich gab es in Rom bereits am Sonntag für die Nacht Schneealarm und zahllose Einheimische warteten wie zu Silvester auf den Jahreswechsel zuerst um 01:00, um 2:00 und schliesslich um 3:00 Uhr auf die ersten Flocken. So mancher stellte extra den Wecker, um keinesfalls das Spektakel zu verpassen. Schliesslich sollten es die ersten Flocken seit 2012 sein. Anlässlich dieses grossen Schneealarms und der Verfügung der Bürgermeisterin die Schulen am Montag zu sperren, witzelten die Römer schon darüber, dass dieses Mal, um bei falscher Meteo-Prognose einer evtl. Blamage zu entgehen, in der Stadtverwaltung wohl Schneekanonen aufgestellt würden. Und dann fiel wesentlich mehr Schnee als prognostiziert. Und es wurde ein anderer Tag in Rom. Nicht nur Kinder und römische Vierbeiner erfreuten sich der weissen Pracht und rutschten an den sieben Hügeln im Schnee auch die Erwachsenen pilgerten zu den verschneiten Monumenten zwecks Selfie. Die Einheimischen wurden trotz Aufforderung der Gemeinde zu Hause zu bleiben (!) die begeistertsten Touristen in der eigenen Stadt. Polemik gibt es natürlich auch jede Menge z.B.:

    - über die Bürgermeisterin Virgina Raggi, die für 2 Tage die Schulen sperren liess, während sie auf einem Klimagipfel in Mexico zur selben Zeit im sommerlichen Look auf einer Fahrradtour fotografiert wurde;

    - die führungslose Gemeinde, die Hilfe vom Zivilschutz und Heer anforderte;

    - das Chaos, in den vielfach unbefahrbaren Strassen, das zumindest bis in den Nachmittag anhielt;

    - über die wie vom Erdboden verschluckten Taxi und öffentlichen Busse;

    - Ausgaben von über einer Million Euro für das Last Minute Leihen von 190 Schneepflügen,

    - Bobcat, Salzstreumaschinen & Co., die für die Stadt jedoch leider Grossteils unbrauchbar waren;

    - die Schnellzüge von und nach Rom mit Verspätungen von bis zu 7 Stunden und Passagieren ohne Informationen usw.

    Doch was neben der Polemik und einer Unzahl von Fotos, die das Web überschwemmen bleibt, ist ein wunderbarer Tag, an dem gegen Mittag die Sonne den Schnee zum Leuchten brachte und ein anderes, faszinierendes Rom herbeizauberte. Glücklich schätzen dürfen sich jene Touristen, welche diese Wetterkapriolen miterlebten und mit Aufsehen erregenden Fotosujets und/oder ungewöhnlichen Videos von Rom nachhause fahren.

    Die Nonnen lassen sich nicht beirren durch den vielen Schnee, der in Rom gefallen ist.

    Hundeschlitten auf Autobahn nach Rom.

  • Februar in Rom – Zeit des Karnevalsgebäcks

    Frappe di Simona – Karnevalsgebäck

    Kurz vor dem Endspurt möchten wir Sie noch in die kulinarischen Carnevale-Geheimnisse Roms einweihen. In diesen Tagen kommt hier keiner an den Frappe und Castagnole vorbei. In jeder Pasticceria und Bäckerei verlocken Platten hochaufgetürmt mit dem typischen süssen Gebäck. Die duftenden Köstlichkeiten bestehen aus wenigen Grundzutaten: Eier, Zucker, Mehl, Butter und Schmalz sowie Öl zum Frittieren.

    Frappe
    Bei den Frappe, die in anderen Teilen Italiens ebenfalls hergestellt werden, doch andere Namen tragen, handelt es sich um Teigstreifen, die frittiert oder im Ofen gebacken, klassisch mit Zucker bestäubt, aber auch mit Honig oder flüssiger Schokolade überzogen sind. Sogar grüne Frappe aus mit Pistazien vermengtem Mehl werden in einer Bäckerei angeboten.

    Castagnole
    Die Castagnole, weiche walnussgrosse frittierte oder im Ofen gebackene Teigbällchen, entweder ohne Füllung (lisce / vuote) bzw. gefüllte (ripiene) mit Ricotta, Creme oder Schokolade fehlen während der Karnevalszeit ebenfalls in keiner Pasticceria. Der Ricotta wird häufig Rum, mit unter auch Nutella hinzugefügt. Die Creme verfeinern manche Zuckerbäcker mit gehackten Pistazien. Die meisten Einheimischen bestehen auf klassische, traditionelle Rezepte und viele halten auch nichts von der an Kalorien sparenden Variante aus dem Backofen: Ihrer Meinung nach müssen «richtige» Frappe und Castagnole frittiert werden.

    Carnevale – Bedeutung des Wortes & Geschichte
    Das aus dem Lateinischen carne vale! (Fleisch, leb wohl!) im Hinblick auf die bevorstehende Fastenzeit ist zwar scherzhaft und volksetymologisch, doch etwas ist wohl dran. Abgeleitet und stark inspiriert von den Saturnalien der antiken Römer galt der Carnevale als eines der bedeutendsten Feste im päpstlichen Rom. Wichtigster Aspekt der Saturnalien war die Aufhebung der Standesunterschiede. Herren behandelten an diesem Tag ihre Sklaven wie Gleichgestellte. Teilweise schlüpften sie als Scherz sogar in ihre Rolle und bedienten die Sklaven. Ab dem 10. Jh. fanden Karnevalsfestlichkeiten auf dem Monte Testaccio statt. Ab Mitte des 15. Jh. wurden auf Wunsch des venezianischen Papst Pauls II Spiele sowie Maskenumzüge auf der damaligen Via Lata und heutigen zentralen Via del Corso abgehalten. Er sorgte auch dafür, dass die ursprünglich zwei Tage dauernden Feiern sich auf neun Tage ausdehnten. Beliebt waren besonders die Berberpferderennen, die Adel, Künstler und Reisende aus aller Welt anzogen. Unter ihnen Alexandre Dumas, der die Feste in seinem berühmten Roman «Der Graf von Montecristo» beschreibt. Auch an Johann Wolfgang von Goethe ging der römische Karneval nicht spurlos vorbei. Er erhielt sogar vom Weimarer Wochenblättchen Journal des Luxus und der Moden den Auftrag, Material über den Karneval zu liefern. So wusste er zu berichten, dass «…Karneval … eigentlich nur eine Fortsetzung oder vielmehr der Gipfel jener gewöhnlichen sonn- und festtägigen Freuden ist; es ist nichts Neues, nichts Fremdes, nichts Einziges, sondern es schliesst sich nur an die römische Lebensweise ganz natürlich an.» Aufgrund eines tödlichen Unfalls untersagte 1874 Vittorio Emanuele II die Pferderennen. Damit verlor der römische Karneval an Bedeutung und wurde 1882 sogar verboten.

    Karneval heute
    Der Karneval in Rom greift auf keine Tradition zurück, wie dies z.B. in Venedig der Fall ist. Lediglich maskierte und Konfetti streuende Kinder werden von ihren Eltern auf einem Spaziergang durch die Stadt geführt. Für die Erwachsenen stellt der Karneval vor allem ein süsses, kulinarisches kurz andauerndes Vergnügen dar.

    Castagnole – Karnevalsgebäck

    Frappe – Karnevalsgebäck

    LOCALIKE Kuriosum & Tipp
    In Ostia Lido existiert eine Konditorei, die seit 2009 nur etwa einen Monat im Jahr geöffnet ist und zwar im Carnevale, um das typische Gebäck zu backen. Inzwischen hat die Pasticceria Simona auch in der Ewigen Stadt grosse Bekanntheit erlangt . Viele Fans pilgern in das etwa 45 Autominuten von Rom gelegene Ostia und manchmal gelingt es nach langem Anstehen zu ihrem Leidwesen nicht einmal ein paar der täglich händisch frisch hergestellten Frappe zu ergattern. Und das Besondere an diesen Frappe? Die «Boutique della Frappa» schwört auf  das traditionelle Rezept. Das schnelle Frittieren in frischem Erdnussöl soll es ausmachen. Oder steckt doch ein anderes Geheimnis hinter dem extrem dünnen, rosenförmigen, knusprigen Gebäck? Adresse: Viale delle Repubbliche Marinare 50, Lido di Ostia

    Einfache Rezepte, doch nicht überall werden die besten Zutaten verwendet und manchmal sind die Karnevals-Süssigkeiten viel zu fett und liegen dann schwer im Magen. LOCALIKE Roma verrät Ihnen, wo Sie die besten und bekömmlichsten finden. Ihr personalisiertes Reiseprogramm bringt Sie zum besten Karnevalsgebäck – like a local.