Monthly Archives: Juni 2018

  • Garbatella – dörfliche Idylle abseits vielbesuchter Must-see und Touristenpfaden

    Garbatella und ein typischer Strassenzug.

    König Vittorio Emanuele III setzte an einem sonnigen Februartag im Jahr 1920 den ersten Stein der «Borgata Giardino Concordia» (Gartenvorstadtviertel Concordia). So wurde das Viertel Garbatella ursprünglich genannt – verschiedene Parzellen mit etwa 40 zweistöckigen «Villette» (Familienhäuser), 190 Unterkünfte in Häuserblöcken.

    Garbatella – Garden Cities
    Inspiriert von den englischen Garden Cities und den sozialistisch-utopistischen Ideen von Owen entstand in unmittelbarer Nähe des damaligen Industriegebietes im Südwesten der Stadt, zwischen Testaccio und Ostiense mit seiner Stromzentrale und Generalmärkten, dieses Wohnviertel für Arbeiter und Angestellte. Vorangegangen war 1871 die Einheit Italiens und die Verlegung der Hauptstadt nach Rom. Die Neuzuzüge benötigten dringend Wohnungen. Weinberge, Olivenhaine, Artischockenfelder und Schafweiden mussten dafür weichen. Das ursprüngliche Projekt der Architekten Giovannoni und Piacentini orientierte sich an den in Grossbritannien entwickelten Garden Cities, welche durch einen bewohnten Kern, abseits des Zentrums, charakterisiert waren. Ein- und max. dreistöckige Mehrfamilienhäuschen, jedes mit seinem privaten Gemüsegarten und gemeinnützigem Grün, ähnlich, doch jedes in den Details unterschiedlich, so präsentierte sich Garbatella einst.

    Garbatella und sein «Case Rapide»
    In der faschistischen Zeit erfuhr die städtische Entwicklung auch in Garbatella eine brüske Änderung und es wurde aufgrund von dringendem Wohnungsbedarf eine Bauweise mit einer höheren Wohndichte und folglich überfüllten Wohnungen gefördert. Zwischen 1923 und 1928 wird der autonome Vorort zum Viertel. Es kam zum Bau der sog. «Case Rapide» (schnelle Häuser). In ihnen fanden Familien Unterschlupf, die ihre Wohnungen durch die von Mussolini in die Wege geleitete Modernisierung verloren. Durch den Bau der zum Kolosseum führenden Via die Fori Imperiali und zum Petersdom führenden Via della Conciliazione wurden ganze Häuserzeilen dem Erdboden gleich gemacht. Die Umquartierung für die betroffenen Bewohner bedeutet damals so viel, wie die Stadt zu verlassen und ins Grüne sprich in die Peripherie ziehen zu müssen.

    Als Via di Fori Imperiali noch nicht bebaut war. Als die Via dei Fori Imperiali noch nicht gebaut war.

     

    Garbatella und seine «Alberghi Collettivi»
    In den Jahren 1928/29 wird vom Architekten Innocenzo Sabbatini mit einer anderen Art von Wohnhäusern, jene der sog. «Alberghi Collettivi» (kollektive Vorstadtherbergen) um die Piazza Michele da Carbonara experimentiert. In ihnen sollten die aus dem Altstadtzentrum ausquartierten Familien für eine bestimmte Zeit wohnen. Der private Bereich bestand aus den nach Geschlecht getrennten Schlafsälen im gegensatz zu den allgemeinen Bereichen (Sanitäranlagen, Bäder, Küchen, Speisesäle, Kindergärten, Schulen, Ambulatorien usw.). 1931-1933 folgten die Schule, das sechsstöckige Theater Palladium sowie ein polifunktionales Gebäude. Für das Wohnbauprojekt zeigte sogar Mahatma Gandhi Interesse und besuchte 1931den Kindergarten der Vorstadtherrbergen.

    Garbatella heute?
    Lange Zeit begleitete Garbatella der Ruf einer etwas anrüchigen Gegend. Ab den 90er Jahren ist es zu einem attraktiven Wohnviertel mit seinem speziellen architektonischen Mix auch für höhere soziale Schichten geworden. Wohnungen bzw. eine Villetta in Garbatella galten von da an als begehrenswert, trendig, sehr zentral, gleichzeitig abseits vom Trubel und doch im Grünen – als Herz der Romanità, nebst den mitunter sehr touristisch gewordenen Trastevere.

    Mitten in der Grossstadt Rom. Auch das ist Rom ...

     

    Alle Wege führen nach Garbatella
    Die Metrolinie B Rebibbia-Laurentina zum Beispiel ab dem Bahnhof Termini Richtung Laurentina bringt Sie zur Haltestelle Garbatella. Von dort erkunden Sie ausschliesslich zu Fuss oder per Vespa wie Nanni Moretti in seinem Film Caro Diario (Liebes Tagebuch) die Gegend.

    LOCALIKE Tipp
    Entdecken Sie Garbatella in einer geführten Walking-Tour – like a local. Ihr personalisiertes Reiseprogramm führt Sie ab in die Idylle Roms und wir verraten Ihnen dabei die traditionellen und angesagten Lokale, in denen sich die Einheimischen besonders gerne aufhalten. Kontaktieren Sie uns, wir helfen gerne weiter.