Street Art

  • Recovery Fund wird zur Street Art

    Recovery Fund – Maupal und seine Botschaft

    In der Altstadt von Rom, auf der Piazza della Maddalena tauchte vor einigen Tagen ein symbolhaftes Strassenkunstwerk auf. Es ist dem Recovery Fund gewidmet, dem historischen Fonds für die Wiederbelebung der Europäischen Union nach dem Virus, der zum ersten Mal in der Geschichte der Union mit gemeinsamen Schuldverschreibungen finanziert werden soll.

    Der Künstler Mauro Pallotta alias Maupal erschuf ein karikaturistisches Werk. Es erzählt die Geschichte über die Verhandlungsposition Italiens, dargestellt als Rotkäppchen und das Verhältnis zu den Niederlanden, eloquent abgebildet als Wolf mit der Tulpe in der Schnauze.

    Die Protagonistin fährt mit ihrem Trottinett und einem blauen Rucksack auf den Schultern, gefüllt mit Geld durch die Stadt.

    Maupal will einerseits den Sieg von Rotkäppchen über den Wolf und andererseits auch die Verantwortung unterstreichen, die bei der Verwaltung der Gelder auf Italien zukommt. Der Roller steht für ein schnelles, agiles und zeitgemässes Transportmittel – ein Gegenpol zur italienischen Bürokratie.

    «Ein kleines und wehrloses Italien, welches triumphierend aus dem finanziellen, wirtschaftlichen und sozialen Dickicht hervorgeht und der Aggression des niederländischen Wolfes ausweicht», so interpretiert der Künstler die augenblickliche Situation Italiens in der EU.

  • Street Art – das Càpita(l) von Blu

    Street Art – oberer Bildausschnitt aus dem neusten Werk von Blu

    Rom wird immer öfter als die europäische Hauptstadt (Capitale) der Street Art bezeichnet. Es ähnelt einem grossen Museum unter freiem Himmel. Kostbarkeiten der antiken Kunst und Meisterwerke der unterschiedlichen Epochen sich inzwischen mit mehr als 350 Werke von nationalen und internationalen Street Artists durchmischt. Häufig erfolgt die Realisierung auf legalem Weg mit der Unterstützung von Vereinen, Kuratoren, Stiftungen oder der öffentlichen Verwaltung. Die Street Art erstreckt sich weniger auf das Stadtzentrum. Vielmehr ist sie in der Peripherie zu finden und sorgt für eine urbane, ästhetische und in einzelnen Fällen sogar soziale Aufwertung der Quartiere.

    Der Künstler
    Blu, wie sich der international bekannte, in Bologna lebende Street Artist nennt, der seine Identität nicht enthüllt, hat einige der bedeutendsten und interessantesten Werke in Rom geschaffen. Bei einem seiner letzten grossen Wandbilder, fertiggestellt im Dezember 2018, handelt es sich um «Càpita» im Stadtteil Rebibbia, mit dem er die heutige Gesellschaft kritisiert.

    Càpita – sein neustes Werk
    Das Wandbild zeigt eine imaginäre Attraktion in Form bunter Wasserrutschen, die in zwei verschiedene Becken führen. In einem ist das Wasser faulig und sammelt die Schwächeren der Gesellschaft und deren Abschaum auf. Im anderen Becken ist das Wasser kristallklar und repräsentiert die starken Kräfte. Dort wo das gelbe «L» von «Càpital» in die Grüne Wiese gefallen ist, flattern Geldscheine und fliesst Champagner. Die Reichen und Mächten mit dicken Bäuchen, goldigen Uhr und Ketten im aufblasbaren Sessel sitzend, werden von Lakaien bedient. Der Vergnügungspark nimmt das organische Erscheinungsbild eines menschlichen Dickdarms an, der Freude und Glanz, Elend und Scham, aber auch Dienstbarkeit und Unterwerfung vermittelt.

    Street Art – unterer Bildausschnitt aus dem neusten Werk von Blu

    Street Art – die Reichen und ihre Lakaien Detail

    Seine Message
    Blu führt uns unser verletztes soziales und kulturelle Gefüge vor Augen, das hierarchisch strukturiert ist. Das bereits ausgeprägte Niveaus der sozialen Ungleichheit und Ungerechtigkeit wird seiner Meinung nach durch Konsum, Verschwendung, Privilegien, Materialismus, Gewalt, Prunk und Inkompetenz nur noch verschärft. Die Gesellschaft wird vom verzweifelten Kapitalismus mit ihrer korrupten politischen Klasse getrieben, die unumkehrbar erscheint.

    Street Art – das gesamte Wandbild von Blu

  • Ostiense und seine Auferstehung

    Quartiere Ostiense – Street Art

    Der Stadtteil Ostiense hat heute einen einzigartigen Charme, der von seinem postindustriellen Aspekt in Verbindung mit neuen kulturellen Impulsen der Street Art und einer Vielzahl von unterschiedlichsten Lokalen bestimmt wird.

    Ostiense – das bedeutendste Industriegebiet nach der Einigung Italiens
    Im südlichen Teil der Stadt zwischen dem Tiber liegend, an die Aurelianischen Mauer aus dem 3. Jh. n. Chr. sowie die Porta San Paolo angrenzend wurde das Viertel nach der Einigung Italiens 1870 aufgrund der idealen strategischen Position als Industriezone auserkoren. Die Ebene mit Nähe zum Tiber einerseits und dem Bahnhof andererseits eignete sich besonders im Anschluss an den innerhalb der Mauern liegenden Rione Testaccio mit seinem 1888 erbauten Schlachthof für das bedeutendste Industrie- und den Gewerbebereich der Stadt. So entstanden um die Viale Ostiense, welche mit ihrer Fortsetzung, der Via del Mare in rund 20 km nach Ostia ans Meer führt, Fabriken, ein Elektrizitätswerk, die Generalmärkte (Mercati Generali, ein Projekt des Architekten Emilio Scaffi 1913/24), 4 Gasometer und der Bahnhof Roma-Ostia.

    Das Wahrzeichen von Ostiense – die Gasometer
    Die Gasometer gelten als Symbol des Viertels und damals als jene des modernen Roms. Sie sind heute ungenutzte Strukturen. Die beiden kleinsten wurden 1910 gebaut. Mussolini liess den Dritten und Grösste mit einer Höhe von etwa 90 m im Jahr 1937 errichten, um Hitler zu imponieren und ihm die Fähigkeit der Selbstversorgung Roms zu beweisen. Der im Viertel Ostiense seit vielen Jahren lebende türkische Regisseur Ozpetek bezeichnet den Gasometro als «kleines Industrie-Kolosseum».

    Quartiere Ostiense – seine Wahrzeichen die Gasometer

    Der langsame Verfall und die Auferstehung von Ostiense
    Nach Auflassung dieser Betriebe und Stilllegung der Generalmärkte zog die Zeit des Verfalls und der Lethargie ein, bis vor einigen Jahren ein Revival erfolgte. Das Elektrizitätswerks «Centrale Montemartini» ist eine Aussenstelle der Kapitolinischen Museen und trumpft mit einem faszinierenden Miteinander von antiken Statuen und Maschinen aus dem beginnenden 20. Jh. auf. Aussenstellen der Universität sind hierher verlegt worden, Kommunikationsgesellschaften und Werbeagenturen liessen sich nieder, sowie neue In-Lokale und das grösste Eataly, das Italo-Food Emporium folgten.
    Eine moderne, weisse Stahlbrücke, welche Ostiense seit dem Dezember 2012 mit dem Viertel Garbatella verbindet sind Zeichen der Erneuerung und urbanistischer Transformation.

    Quartiere Ostiense – Ponte Settimia Spizzichino

    Wer durch die Strassen des Viertels schlendert, taucht in ein wahres Freilichtmuseum ein. Berühmte italienische und internationale Künstler der Street Art Szene färbten die grauen Wände eines vergessenen Stadtteils ein. Sie hinterliessen unter anderem auf Industrieruinen rund 40 Werke verschiedener Ausmasse. Mit ihnen kamen multikulturelle, aber auch bodenständige römische Lokale, die Leben in das Quartier einhauchen.

  • Street Art – Triumphs & Laments

    Street Art aus Südafrika erobert Rom
    Der südafrikanische Künstler William Kentridge’s liess sich von der Ewigen Stadt zu seinem zeitgenössischem Kunstwerk «Triumphs and Laments» (Triumphe und Niederlagen) inspirieren. Seine spektakuläre Idee besteht in der Realisierung eines 550 m langen Frieses mit 80 bis zu 10 m hohen Figuren auf der Tibermauer. Die Ausmasse des Tiberstückes sollen jenen des antiken «Circo Massimo» entsprechen. Dargestellt werden Bilder, welche die Geschichte der Ewigen Stadt auf nicht chronologische Weise in Glorien und Tragödien von der Gründung bis in die Gegenwart repräsentieren.

    Motive
    Nicht fehlen darf die für Rom symbolische Wölfin, welche nach einer Legende die Gründer Roms, Romulus und Remus säugte. Eine Szene aus Federico Fellinis Film Ikone «La Dolce Vita» aus dem Jahre 1961 findet dabei auch seinen Platz.

    Technik
    Die Arbeiten begannen am 9.3.2016. Kentridge’s Kohlezeichnungen wurden in Tintenzeichnungen und anschliessend in Originalgrösse-Stencils umgesetzt. Mit der Technik des «reverse graffiti» plazierte der Künstler und sein Team die grossen Figuren an die Mauer und reinigten in der Folge die umliegenden Bereiche durch Hochdruck (power-washed) – Erschaffen durch Löschen. Es blieben die dunklen Zeichen der mit der Zeit durch die Umwelteinflüsse veränderten Tibermauer. Der Witterung und dem evtl. Hochwasser des Tibers ausgesetzt, wird das Werk einige Jahre bestehen bleiben, doch graduell verblassen bis die Mauern aus Travertinstein wieder ihren originalen Zustand erlangen.

    Hintergrund
    Dieses Graffiti entstand in Zusammenarbeit mit der Non-Profit Organisation Tevereterno (Ewiger Tiber). Die Gespräche dazu begannen bereits 2001. Ziel war es letztlich auch, zu den grossen Triumphen und Tragödien in der Geschichte der Ewigen Stadt einen Zusammenhang zur gegenwärtigen Flüchtlingskontroverse zu schaffen. Freiwillige haben am Projekt kostenlos mitgearbeitet und so ihren Beitrag geleistet.

    Einweihung
    Am 21.-22.04. wurde an Roms Geburtstag mit der Premiere eines vor dem Fries auf der Tibermauer dargestellten dramatischen Schatten-Licht Schauspiels das Werk des Südafrikaners eingeweiht. Das Spektakel beruhte auf einer Idee von William Kentridge und dem Komponisten Philipp Miller. Zwei marschierende Bands aus italienischen und südafrikanischen Künstlern präsentierten eine Prozession vor dem Fries.

    LOCALIKE Roma Tipp
    ✪ 
    Für Jogger und nicht nur für sie wird dieses Stück entlang des Tibers enorm aufgewertet. Die Street Art liefert auch interessante, vergängliche Fotomotive – halten Sie diese fest, solange sie existieren.
    ✪ Wenn Sie über die Entstehung mehr wissen wollen, so empfehlen wir Ihnen den Kurzbeitrag der Deutschen Welle.

    Street Art und seine Entstehung durch die Reverse-Technik Street Art und seine Entstehung

     

    Die römische Wölfin darf nicht fehlen Eine Aufwertung für Jogger, aber auch ....

     

    Die Graffiti von William Kentridge begeistert auch die Velofahrer ... Velofahrer sind begeistert von der Graffiti